Hallo Frau Hartanto, vielen Dank, dass sie sich Zeit für dieses Interview nehmen. Sie sind Chefköchin und Besitzerin des veganen Gourmettempels „Lucky Leek“ in Berlin, wollten Sie immer schon ein eigenes Restaurant managen und wie kam es dazu?
Der Traum vom eigenen Restaurant schwebte mir bereits seit meiner Ausbildungszeit vor.
Nachdem ich diese erfolgreich absolviert hatte arbeitete ich jedoch erstmal in unterschiedlichen Stationen um Erfahrung zu sammeln und Abläufe kenn zu lernen.
Die Entscheidung zum eigenen Restaurant kam schlussendlich als die Zeit dafür reif war.

Als Restaurant mit einem rein pflanzlichen Angebot haben Sie sicherlich nicht nur Veganer als Gäste, wie ist das Verhältnis Veganer / Nicht Veganer in Ihrem Restaurant?
Der Anteil an Gästen die rein pflanzlich leben ist über die Jahre im Verhältnis zu unseren omnivoren Gästen rückläufig.
Dieser Trend ist jedoch nicht negativ zu beurteilen, sondern zeigt uns dass unser Konzept in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und ein breites Publikum anspricht.

Was war bis dato Ihre größte Herausforderung in Ihrer Kochlaufbahn?
Sicherlich die Höhen und Tiefen des eigenen Restaurants.
Es gibt immer wieder viele kleine und große Steine die einem in den Weg gelegt werden, an diesen Punkten muss man die Kraft aufbringen weiter zu gehen. Man muss viele Dinge im Auge behalten, wenn man ein eigenes Lokal betreibt, das Kochen ist da leider oft nur ein kleiner Teil.

Was ist Ihre Hauptmotivation sich vegan zu ernähren und vegan für andere zu kochen?
Ich liebe die Vielfalt an Zutaten die ich nutzen kann, seien es Obst und Gemüsesorten, Kräuter oder auch neue Produkte, das Feld ist noch nicht so weit erkundet und bietet mir jeden Tag aufs Neue die Möglichkeit zu experimentieren und mich und andere zu überraschen!

Sie haben bereits 2 Kochbücher geschrieben (Vegan Genial und Vegan Schnell Schnell), ein weiteres soll Mitte 2019 erscheinen. Was sind Ihre nächsten kulinarischen/literarischen Ziele?
Momentan arbeite ich noch an dem dritten Kochbuch.
Durch die hohen Ansprüche an das neue Buch (schnell, einfach, kreativ und gesund) ist es weitaus mehr Arbeit als die Vorgänger und braucht viel Zeit und Aufmerksamkeit. Wie es literarisch danach weiter geht steht in den Sternen, ich konzentriere mich erstmal wieder auf das Lucky Leek. Mit diesem würde ich natürlich gerne noch mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erreichen, schließlich ist es der Traum von fast jeder Köchin/ jedem Koch wahrgenommen zu werden und Anerkennung für seine Arbeit zu bekommen, speziell natürlich, wenn man in einer „Nische“ arbeitet und viele Skeptiker überzeugen muss.

Wann kommen Ihnen die besten Ideen für neue Rezepte, ob für eines Ihrer Kochbücher oder Ihr Restaurant?
Die Ideen für die Kochbücher kommen mir meistens sehr spontan, oft wenn ich am Herd stehe. Auch passiert viel beim Experimentieren oder im Gespräch mit anderen Köchen.
Ich habe über die Jahre auch sehr viel Material angesammelt das noch ausprobiert werden möchte!

Immer mehr Restaurants bieten bereits ein oder zwei vegane Speisen an. Wo sehen Sie die Zukunft einer rein pflanzlichen Ernährung in der Gastronomie?
Ich denke ein rein veganes Restaurant zu gründen ist heute schwieriger als im Jahre 2011 als wir begonnen haben.
Heute gibt es genug Auswahl in fast jedem Restaurant um nicht zu verhungern. Natürlich freut mich und viele andere Menschen das.

Wo sehen Sie die Zukunft von Fleisch als Nahrungsmittel?
Ich möchte niemandem vorschreiben wie er oder sie leben soll, wer Fleisch essen möchte soll das tun, ich plädiere lediglich auf einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Ressourcen denn diese sind endlich und es muss ein Umdenken/generelles Nachdenken stattfinden. Es sollte von niemandem als selbstverständlich hingenommen werden, dass die Supermarktregale immer gut gefüllt sind. Und das Fleisch billiger ist als Gemüse sollte auch nachdenklich machen!

Sie haben sich nicht ihr ganzes Leben vegan ernährt, vermissen Sie ein Nahrungsmittel tierischen Ursprungs auf Ihrem Speiseplan und wenn ja, welches und versuchen Sie dieses zu imitieren?
Da fällt mir spontan nichts ein, ich habe es täglich mit neuen Geschmäckern zu tun und komme gar nicht dazu etwas zu vermissen.

Wer oder was hat Ihre Leidenschaft fürs Kochen erweckt?
Soweit ich mich erinnern kann hatte ich schon immer eine Affinität dazu, in der Grundschule habe ich mein erstes Kochbuch für meine Mutter geschrieben, seither kam wohl nichts Anderes für mich in Frage 🙂

Kocht eine hauptberufliche Köchin noch in ihrer Freizeit?
Ja das tut sie! =) Nicht so aufwändig wie im Lokal, dennoch fast jeden Tag.

Wie halten Sie sich körperlich und geistig fit um den recht stressigen Job eines Koches zu bewältigen?
Ich habe einige Hobbys die mich ablenken und geistig fit halten, für die körperliche Fitness gehe ich gerne an den Berg bouldern und klettern.

Wie wichtig ist für Sie Essen im Allgemeinen?
Essen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme und satt werden.
Es ist Kultur, Freude, Leidenschaft, Geselligkeit und viel mehr.
Ich könnte nicht ohne leben 🙂

Welche 3 Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Hmm… Wahrscheinlich Reis, einen Topf, und Sonnencrème. Ich hoffe es ist nicht kalt da!

Abschließend noch die Frage: Welches ist zurzeit Ihr Lieblingsgericht oder gibt es einen ewigen Klassiker?
Schwierige Frage. Es schwankt immer, ich brauche auch die Abwechslung. Manchmal koche ich etwas und denke, wow! das ist das beste Essen der Welt, am nächsten Tag ist es dann wieder etwas Anderes.
Auch ist mir aufgefallen, dass sich alle Jahre mein Geschmacksbild verändert und mir andere Dinge schmecken als vorher.

Vielen Dank für das Interview!

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